Thomas Brussigs zweite Heldentat
Mit "Helden wie wir" wurde er berühmt. Jetzt erschien sein neues Werk. Morgen liest er im Deutschen Theater.

Axel Frohn
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In "Helden wie wir" beschrieb der Berliner Thomas Brussig, 34, wie die Mauer zu Phall kam. Ein Bestseller, der ihn weltberühmt machte. Jetzt legt er nach: "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" - die komische Geschichte des Ostberliner Teeny Micha Kuppisch, der im Schatten der Mauer aufwächst. Verfilmt durch Leander Haußmann, kommt der Streifen am 7. Oktober (pünktlich zum 50. Jahrestag der DDR, wenn es sie noch gäbe) in die Kinos.
Morgen um 20 Uhr liest der Autor im Deutschen Theater aus seinem neuen Werk. Doch vorher traf er sich mit der BZ.

Warum ein Buch zum Film?

Leander und ich haben zu DDR-Zeiten soviele witzige Geschichten erlebt. Hätten wir die alle im Film verarbeitet, wäre die "Titanic" vergleichsweise ein Kurzfilm.

Die "Sonnenallee" spielt in den 70er Jahren, Gab's im Schatten der Mauer was zu lachen?

Jede Menge, und ich wundere mich, dass ich der Erste und bisher Einzige bin, der das aufgeschrieben hat. Wir waren komisch und haben es nicht mal gemerkt.

Die Leiche der DDR ist noch warm, sagt Haußmann. Verklären Sie nicht die Vergangenheit?

Ostalgie in heiterer Form wertet das miese Politbürokratentum nicht auf. Selbst die Stasi hatte ja ihre komischen Seiten. Micha und Miriam, die Hauptakteure der "Sonnenallee", lieben, tricksen, träumen, schaffen sich ihre eigene Welt - umgeben von Mauer und Stacheldraht. Wessis spielen dabei auch eine Rolle. Beispielsweise der prahlerische Onkel,
der unheimlichen Schiß vor den Grenzern hat, weil er immer Gummibärchen in seiner Unterhose rüberschmuggelt. Film und Buch sollen ein bisschen zur Versöhnung beitragen - da könnten sich Wolf Biermann und Ede Schnitzler die Hände reichen und sagen: Wir sind dabei gewesen.

Was wäre Thomas Brussig wenn die Mauer noch stünde?

Auf jeden Fall Schriftsteller, der seine Bücher, hätten sie nicht in der DDR erscheinen dürfen, im Westen verlegt.

Worüber haben Sie sich im November '89 besonders gefreut?

Ich konnte endlich meine Jugendliebe treffen: Hertha, der bin ich noch heute treu.

Aber die Frau an Ihrer Seite heißt doch Kirstin. Sind Sie Bigamist?

Ja, ich liebe sie alle. Kirstin und Hertha BSC.




Axel Frohn: Thomas Brussigs zweite Heldentat, in: BZ vom 28. August 1999.